
Die Wurzeln der – neben den Wiener Philharmonikern – berühmtesten Wiener Kulturbotschaftern reichen bis in s Mittelalter, Der Erfolg der Sängerknaben hat dazu geführt, dass der gesamte Chor aus 4 Chören besteht, um die internationale Konzerttätigkeit, Schule und eine altersadäquate Freizeitgestaltung überhaupt zu ermöglichen. Bei Christmas in Vienna sind sie nicht nur wegen ihrer Engelsstimmen ein Genuss.
Vor mehr als einem halben Jahrtausend, im Jahr 1498, verlegte Kaiser Maximilian I. seinen Hof und seine Hofmusikkappelle von Innsbruck nach Wien. Er ordnete ausdrücklich an, dass sich unter den Musikern auch sechs Knaben befinden sollten. Damit hatte er den Grundstein für die Wiener Sängerknaben gelegt. Bis 1918 sang der Chor ausschließlich für den Kaiserhof.
Berühmte Musiker wie Wolfgang Amadeus Mozart oder Anton Bruckner haben mit den Sängerknaben musiziert; einige, wie Franz Schubert oder Joseph Haydn, waren selbst Sängerknaben. Seit 1926 gehen die Wiener Sängerknaben in der ganzen Welt auf Tournee. Heute gibt es etwa 100 Wiener Sängerknaben zwischen zehn und vierzehn Jahren, aufgeteilt auf vier Konzertchöre.
Die vier Chöre geben rund 300 Konzerte jährlich mit fast einer halben Million Zuschauern. Jeder der Chöre verbringt neun bis elf Wochen im Schuljahr auf Tournee. Seit 2001 liegt die künstlerische Leitung des Chores in den Händen von Gerald Wirth.
Das Repertoire der Wiener Sängerknaben reicht von gregorianischen Chorälen bis zu moderner und experimenteller Musik. Gemeinsam mit Mitgliedern der Wiener Philharmoniker und des Wiener Staatsopernchores singen sie die Messen in der Wiener Hofburgkapelle. Immer wieder singen sie mit großen Orchestern und berühmten Dirigenten wie Pierre Boulez, Nikolaus Harnoncourt, Mariss Jansons, Zubin Mehta, Riccardo Muti (Ehrenmitglied der Wiener Hofmusikkapelle), Kent Nagano und Seiji Ozawa. Der Kern ihres Tourneerepertoires sind Motetten, Kunstlieder, Volkslieder, Werke der Familie Strauß und Kinderopern. Seit den 1980er Jahren singen die Sängerknaben immer wieder a-cappella-Arrangements von Popsongs. Auch Filmmusik und Videoclips gehören zum Repertoire.
Kinderopern
Die Wiener Sängerknaben produzieren jährlich ein bis zwei neue Opern selbst; Klassiker wie „Hänsel und Gretel“ oder ganz neue Opern wie „Seidenstraße“, einer Art orientalischem Roadmovie für die Bühne, von der jungen Rebecca Scheiner schwungvoll in Szene gesetzt. Die Uraufführungen von Gerald Wirths Die Schicksalstafel (2002) und Raoul Gehringers Moby-Dick (2004) fanden im Rahmen des Zyklus Allegretto im Wiener Musikverein statt; für 2006 ist die Uraufführung der „Märchenmatrix“ von Emanuel Schulz geplant.
CDs
Es gibt über 300 Schellacks, LPs und CDs mit den Wiener Sängerknaben, darunter die 2005 mit einem „Grammy“ prämierte Einspielung von Mahlers Dritter Symphonie unter Pierre Boulez (Deutsche Grammophon). Zuletzt erschienen bei Naxos zwei CDs mit zeitgenössischer jüdischer Musik; Koch Universal brachte eine CD mit ungewöhnlichen, authentischen Volksliedern aus Österreich heraus (Koch Universal 325 130), sowie die erste Einspielung von Beethovens Messe in C-Dur mit einem Knabenchor (Koch Universal 06024 9812946). Bei EMI erschienen: „Wiener Sängerknaben goes Christmas“, eine CD mit englischen und amerikanischen Weihnachtshits.
Schule und Internat
Die Wiener Sängerknaben haben ihr eigenes Internat und ihre eigene Schule. Fast 250 Kinder besuchen die Schule im Wiener Augartenpalais; die Schüler kommen aus Österreich, Deutschland, der Schweiz, der Slowakei, Japan, Australien, Kanada, Mexiko und den USA. Im Kindergarten und in der Volksschule erhalten Buben und Mädchen eine umfassende musikalische und allgemeine Ausbildung. Die begabtesten Buben werden im Alter von zehn in einen der vier Chöre aufgenommen. 2003 wurden das Palais und seine Nebengebäude komplett renoviert; zu gleichen Teilen von der POK Pühringer Privatstiftung, der Republik Österreich und der Stadt Wien finanziert. Das Internat bietet viele Freizeitmöglichkeiten und ist, so die Knaben, „so gemütlich wie zu Hause“.
Die Wiener Sängerknaben sind ein privater gemeinnütziger Verein, der von einem Vorstand geleitet wird. Seit 2001 hat Dr. Eugen Jesser das Amt des Präsidenten inne; 2003 wurde er auch zum Direktor des Instituts ernannt.
Die POK Pühringer Privatstiftung im Wiener Palais Coburg ist der Generalsponsor der Wiener Sängerknaben.